Dominik

Live-Blog (3) – Workshop 2: Personalmanagement im Campus-Radio: Strategien einer kontinuierlichen Personalentwicklung

Geschrieben von am 10. November 2007 in Live | Im Moment 2 Kommentare.

Auf dem Podium:

Podium 2

  • Wolfgang Sabisch,
    Programmleitung M94,5, München
  • Judith Salomon, Hochschulradio Aachen
  • Marcel Pauly, Chefredakteur Radio Aktiv, Mannheim
  • Daniel Chur, c.t. das radio, Bochum
  • Moderation: Nico Rau,
    Programmleitung kölncampus

12:28 Frage an alle Diskutanten: Wie sieht die Personalsituation im Lichte des Bologna-Prozesses (Bachelor/Master-Einführung) bei den einzelnen Sendern aus? Wolfgang Sabisch: Wir sind zwar kein klassisches Campusradio in München, merken aber deutlich, dass viele Leute mittlerweile deutlich auf einen Broterwerb neben dem Studium angewiesen sind, der ihnen die Zeit raubt, ehrenamtlich beim Radio zu arbeiten. Eine ähnliche Situation beschreibt Judith: viele Leute gucken sich das Radio mal an, aber nur wenige bleiben – vermutlich aus Zeitgründen? – dauerhaft. In Mannheim ein ähnliches Bild.

12:34 Ist aufgrund der neu aufgetretenen Problematik eine Änderung im Personalmanagement durchgeführt oder noch geplant? Wolfgang Sabisch beschreibt, dass ein 24-h-Vollprogramm nur durch den grundsätzlich hohen Personalzulauf (allein 46 Neulinge im aktuellen Ausbildungszeitraum) möglich ist. Hier wird ein ganzheitliches Ausbildungssystem in allen redaktionellen Teilbereichen angeboten – Was aber, wenn jemand nur begrenzt Zeit haben sollte? – Da müssen Kompromisse gefunden werden, so dass etwa ein Auszubildender nur ausgewählte Tage in der Woche anwesend sein muss. Gleichzeitig bietet M94.5 die attraktive Möglichkeit, ECTS-Punkte zu sammeln, die im Studium angerechnet werden.

12:42 Frage an Judith: Welche Kooperationen gibt es mit der Uni/FH in Aachen? – Pflichtpraktika der Bachelorstudierenden können beim Hochschulradio gemacht werden. Dabei wird natürlich versucht, die Praktikanten auch für längerfristige Mitarbeit zu begeistern. Auch Credit-Points können beim Aachener Campusfunk erworben werden.

Daniel ChurIn Mannheim gibt es keine Kooperation mit der Universität. “Es ist angedacht, das mal anzufragen”, meint Marcel Pauly, mehr aber bislang nicht. Eine fürs Studium verwertbare “Belohnung” in Form von Creditpoints erhält man in Mannheim also nicht.

12:50 Wie kann man Abwanderungen von Mitarbeitern zu anderen Sendern (mit Verdienstmöglichkeiten) verhindern bzw. solche entstehenden Lücken füllen? Wolfgang Sabisch meint, man müsse sich von der Vorstellung eines durchgehend hohen Personalniveaus verabschieden. Wenn es weniger Leute gibt, kann eben das kleine Kinomagazin vielleicht nicht mehr stattfinden, weil man sich mit weniger Leuten um die Kernkompetenzen des Radiosenders, z. B. die Morgensendung, kümmern muss.

12:55 Welche Rolle spielen Alumninetzwerke für die Ausbildung bei den Campusradios? – Bei kölncampus werden die Alumni auch für die Ausbildung von Neulingen eingebunden, also als externe Referenten. In Bochum, bemängelt Daniel Chur, ist das noch optimierbar, man wünscht sich aber interne Schulungen oder Airchecks mit eigenen Alumni, denn davon gibt es eine Menge.

13:02 Wo liegt der Fokus – wird den Neulingen vermittelt, das Campusfunk mehr ist als “nur” Moderation? – Judith weiß, dass in Aachen bei der Vorstellung des Senders (z. B. bei Einführungsveranstaltungen) alle Bereiche des Senders vorgestellt werden. In Bochum und Mannheim wird ebenso versucht, personell “abzuschöpfen, was geht”, da nicht jeder sich gleich zum Radiomoderator berufen fühlt.

13:05 Daniel Chur glaubt, dass es angesichts von Bachelor und Master sowie Studiengebühren immer schwieriger wird, Neulinge fürs Radio zu begeistern, und ihnen klar zu machen, “dass ihnen das auch was bringt”.

Fragestellerin aus dem Publikum

13:07 Frage aus dem Publikum: Gibt es bei den Campusradios so etwas wie einen längerfristigen Plan für die anscheinend prekärer werdende Personalsituation? – Eindeutig beantwortet wird diese Frage nicht. Es scheint aber Einigkeit darüber zu herrschen, dass der sich ändernden Situation der Studierenden auch von seiten der Campusradios Tribut gezollt werden muss. Eine einheitliche Lösung – wie ebenfalls aus dem Publikum gefragt – für alle Campusradios bzw. die Campusradios in NRW – scheint aber weder ersichtlich noch sinnvoll.

Es geht in die Mittagpause und hier ab ca. 14.15 Uhr weiter.

Live-Blog (2): Workshop 1 – Campus-Radio: Eine Chance für den beruflichen Einstieg?!

Geschrieben von am 10. November 2007 in Live | Im Moment ein Kommentar.

Der erste Workshop startet in wenigen Minuten. Auf dem Podium sitzen:

Podium 1

  • Christoph Flach,
    Journalist, Medienberater, Köln
  • Jürgen Lenz,
    Referent Bildungsmanagement REWE-Group; Leitung Kölncampus-Alumni; Geschäftsführer Förderverein Kölncampus
  • Oliver Peral,
    Chefredakteur 107,8 Antenne AC, Merzbrück
  • Mandy Schmidt,
    Volontärin Radio RPR1, Ludwigshafen
  • Moderation: Jörg Heeren,
    Ressortleiter Hochschulpolitik, Hertz 87,9, Bielefeld

11:03 Was hat Mandy bei ihrem Campusradio (Radio Triquency) gemacht? – Von redaktioneller Arbeit über Moderation und Promotionarbeit hat sie überall mal reingeschaut. Sie ist der Meinung, dass man sich aktiv aussuchen sollte, zu welchem Radio man gut passt, ob öffentlich-rechtlich oder privat. Der größte Kontrast, den sie nun bei RPR1 versus Campusradio entdeckt hat? – Die vielen Gewinnspiele im Privatfunk…

Wollte sie von Anfang an in die Medien? – Nein, eigentlich wollte sie Toningenieurin werden, fühlte sich dann aber zu wenig technisch talentiert.

11:08 Christoph Flach sieht im System Campusradio das Problem, das Ausbildung dort oft nur intern stattfindet. Das kann seiner Meinung nach zu einer ausgeprägten Binnensichtigkeit führen – daher wünscht er sich den Blick über den Tellerrand, also Ausbildungsreferenten auch von anderen Sendern und (Hörfunk-)Akademien.

Jürgen Lenz11.11 Jürgen Lenz kennt das von kölncampus: Die Aus- und Fortbildung wird intern besorgt; ältere Mitarbeiter schulen die Jüngeren, eine Art “Generationenvertrag” also, wie er meint. Dasselbe beobachtet er nun teilweise in seinem Beruf bei der REWE-Gruppe – dort profitiert er von den Erfahrungen beim Campusradio.

Jürgen hat viel mit Hochschulabsolventen zu tun, die von seinem Arbeitgeber angeworben werden. Die in der freien Wirtschaft gefragten Kompetenzen sind seiner Aussage nach Organisationstalent und die Fähigkeit, Projekte zuende zu führen.

11:15 Mandy hat sich für ein Volontariat entschieden; warum genau? – Mandy wollte aktiv von ihren Erfahrungen bei Radio Triquency profitieren und hat sich daher eine Ausbildung ausgesucht, die genau diese Kompetenzen verlangt.

11:18 Christoph Flach meint, erhebliche Unterschieden zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Volontariatsstationen zu erkennen. Dabei kann man seiner Meinung nach auch “sehr in die Tonne greifen”, wenn man im schlimmsten Fall z. B. im Privatrundfunk als Arbeitstier missbraucht wird. Die Öffentlich-rechtlichen Sender bieten hier seiner Meinung nach eine ganzheitlichere Ausbildung.

Aus seiner Sicht ist Campusfunk ideal, um sich “mal auszuprobieren”, er empfiehlt aber ein “kluges Selbstmanagement”. Das beinhaltet für sich selbst zu erkennen, welche Defizite man noch hat, und aktiv daran zu arbeiten. Außerdem warnt er im Vergleich zu professionellem Radio vor einer Unterschätzung des Drucks, der auf einem lastet, wenn man seine Brötchen mit dem Radiomachen verdient.

11:21 Frage an Jürgen: Wie sieht das Ehemaligennetzwerks von kölncampus aus? Mittlerweile ist das ein großes Netzwerk von ehemaligen Mitarbeiten, in dem gute Kontakte zwischen den Alumni, aber auch den noch aktiven Radiomachern geknüpft werden. Das können z. B. Hospitanzen sein, die vermittelt werden. Nicht zuletzt weiß man von der gemeinsamen Arbeit beim Campusradio, wer welche Kompetenzen hat.

11:25 Wie ist das bei so einem jungen Campusradio wie Triquency, gibt es dort einen Alumniverein? Mandy: Gibt es, wenn auch in kleinerem Umfang als in Köln – die Mechanismen sind aber ähnlich.

Christoph Flach11:30 Freie Mitarbeit vs. feste Stellen? Christoph: Die festen Stellen sind schlicht und einfach sehr rar. Christoph hält auch die Fahne hoch für die freie Mitarbeit (er selbst war nie fest angestellt): Wenn z. B. bei öffentlich-rechtlichen Sendern feste Stellen frei werden, sind das auch meist Zeitverträge. Er plädiert eher für ein möglichst breites Portfolio als Reporter bei möglichst vielen (öff.-rechtl.) Sendern. Ein unbefristeter Vertrag z. B. bei der ARD ist seiner Meinung nach mit “einem Lottogewinn” zu vergleichen.

11:32 Das Podium ist geschlossen der Meinung, dass man heute als Journalist heutzutage geradezu alles können sollte. Also muss man nicht nur im Radio gut klingen, sondern gerade auch im Onlinebereich tätig sein – wie baue ich eine Internetseite, wie schreibe ich dafür, wie fotografiere ich ordentlich dafür? “Die Aufbaujahre sind knallhart”, gibt Christoph Flach zu.

11:35 Interessant: Jürgen berichtet von Leuten, die zunächst auch nur “ans Mikrofon” wollten, dann aber etwa PR-Jobs beim Campusfunk gemacht haben und darüber in ihren heutigen off-air-Berufen gelandet sind, z. B. in Marketing, PR, Eventmanagement. Jürgen berichtet auch von zwei Fällen, die solche Jobs auch nur durch ihre Referenzen bei kölncampus bekommen haben.

11:37 Was sollte man studieren, um mal in den Medien zu landen? Christoph Flach: Früher galt: nur keinen klassisch-journalistischen Studiengang, da zu theoretisch – lieber etwas Fachfremdes, und nebenher freie Mitarbeit bei Radio, TV und/oder Zeitung. Heute aber, da die meisten journalistischen Studiengänge viel praxisnäher geworden sind, “wird das auch wieder gerne gesehen”.

11:45 Kleiner Themenwechsel: Bekommen die “Großen” aus freier Wirtschaft und Rundfunk was mit von den Campusradios? Jürgen: Sicher werden Campusradios nur in kleinem Rahmen gehört, aber Campusfunk ist – zumindest in Köln – durchaus bekannt und wird auch zitiert, z. B. in Tageszeitungen. Christoph ist bekannt, dass der eine oder andere Programmchef aktiv Campussender einschaltet, um “neue Leute abzugreifen”. Trotzdem muss man seiner Meinung nach “aktiv für sich werben”, um Beachtung zu finden – die Story vom anrufenden NDR2, die einen unbedingt haben wollen, hält er für ein Märchen.

11:50 Christoph Flach will uns die Laune verderben, wie er sagt. Er rät grundsätzlich zu einem Plan B! “Auch nach 2, 3 Jahren heftigster Anstrengung” kann man merken: ich hatte kein Glück, mir fehlt doch das letzte Quentchen Talent fürs Radiomachen, und so weiter. Für einen solchen Fall sollte man den Plan eines möglichen Quereinstiegs bereithalten. In der Medienwelt, meint er, muss man sich geradezu darauf verlassen, dass es eventuell nicht klappt.

11:55 Das Hochschulzeugnis, so Jürgen, ist nicht unbedingt das A und O bei einer Bewerbung in der freien Wirtschaft. Auch ein besonders kurzes Studium ist nicht so wichtig – wer sich nebenher z. B. beim Campusradio engagiert hat, und ein dadurch längeres Studium sinnvoll begründen kann, hat gute Chancen, in der freien Wirtschaft genommen zu werden.

11:58 Abschlussfrage: Was beeindruckt euch, was liebt ihr an Campusradios? Mandy: die Musik. Christoph: Die Möglichkeit, Grenzen zu sprengen, profiliert und mutig eigene Formate zu entwicken und dabei an die Hörer zu denken. Hierzu fordert er auch ausdrücklich auf. Jürgen: Die Möglichkeit, sich auszuprobieren – und die Menschen, die ganz offenbar mit viel Engagement ohne Bezahlung gern in diesem Medium arbeiten.

Live-Blog (1): Eröffnung des Campus-Radio-Tags 2007

Geschrieben von am 10. November 2007 in Live | Im Moment 2 Kommentare.

Hallo und herzlich willkommen zum Live-Blog!

Prof. Weiler bei seiner Rede10:00 Die Veranstaltung hat begonnen! Prof. Dr. Elmar Weiler (Rektor der Ruhr-Universität Bochum), Dr. Matthias Sträßner (Leiter der Hauptabteilung Kultur im Deutschlandfunk) und Andreas Schmidt (verantwortlich für den Campusfunk bei der LfM) halten ihre kurzen, aber herzlichen Grußworte. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle auch an die Kollegen von c.t. das radio, die in diesen Tagen den 10. Geburtstag ihres Campusradios feiern.

10:22 Es übernimmt Philipp Rummel, Chefredakteur von c.t. das radio, der moderierend durch “10 Jahre c.t. das radio” führen wird.

10:33 Ein schöner filmischer Zusammenschnitt alter und neuer Mitarbeiter von c.t. das radio wurde hier soeben gezeigt. Man merkt: Hier sind Leute am Werk, die ein echtes Herz für das Medium haben. Und das seit mittlerweile zehn Jahren.

Gleich geht’s hier weiter mit dem 1. Workshop: “Campus-Radio: Eine Chance für den beruflichen Einstieg?!”

Ankündigung: Live-Blog vom LfM-Campus-Radio-Tag 2007 am 10. November

Geschrieben von am 6. November 2007 in Sonstiges | Im Moment keine Kommentare.

Wir freuen uns mitteilen zu dürfen, dass unser LiveBlog bei Vitamin Q Fortsetzung findet: So wird Dominik Osterholt am kommenden Samstag, 10. November 2007, live vom Campus-Radio-Tag 2007 der Landesanstalt für Medien NRW (in diesem Jahr aus Bochum) bloggen. Los geht es ab 10 Uhr. Auch bei der abendlichen Verleihung des jährlichen Campus-Radio-Preises werden wir live dabei sein – und das alles hier im Blog von Bismarckallee 3. Den Programmflyer gibt’s hier.

Fotos von Vitamin Q 2007

Geschrieben von am 14. October 2007 in Vitamin Q | Im Moment keine Kommentare.

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“Campusradio als Berufseinstieg?” wird hier diskutiert.

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Entspanntes Kaffeetrinken zwischen den Podiumsdiskussionen.

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Die Diskussion “Verändert das Web 2.0 den Journalismus?” war – wie erwartet – recht kontrovers.

Weitere Fotos vom gestrigen Event und vom Abend in der Blechtrommel gibt’s in diesem flickr-Set.

Vitamin Q live (2)

Geschrieben von am 13. October 2007 in Live, Vitamin Q | Im Moment ein Kommentar.

Live gebloggt aus dem agora-Tagungshotel in Münster: Vitamin Q – der Tag zum Radio Q.

Autor: Dominik Osterholt

Podium 2: “Verändert das Web 2.0 den Journalismus?”

Auf dem Podium sitzen Prof. Christoph Neuberger vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Uni Münster, Thomas Knüwer (Redakteur, Blogger und Podcaster beim Handelsblatt), Peter Stawowy (Geschäftsführer und Chefredakteur der Jugendzeitschrift SPIESSER) und Malte Müller (Mitarbeiter von “Was mit Medien” bei Radio Q). Moderiert wird die Runde von Britta Kleymann (Deutsche Welle, Bonn).

Die FAZ hat einst den Prototyp des Bloggers als “bärtigen Nerd” definiert. Stimmt das?

17:30 Thomas Knüwer kann sich über diese Definition und diesen konkreten Artikel nicht genug aufregen. Stereotype seien dies, die nicht zuträfen, das hätten nicht zuletzt Erhebungen gezeigt, und wer auf Blogger-Konferenzen wie der re:publica anwesend gewesen sei, hätte sich vor Ort vom Gegenteil überzeugen können.

17:36 Prof. Neuberger verweist auf die ARD/ZDF-Onlinestudie, nach der Blogger – gerade in Deutschland – eher ein Randphänomen darstellen. Thomas Knüwer hakt hier ein und verweist auf den deutschen Durchschnittsnutzer, der Weblogs aufgrund seiner medialen Inkompetenz Blogs gar nicht als solche erkennen kann – dadurch erführen Weblogs in Deutschland geringe Aufmerksamkeit.

17:43 “Der Journalismus verliert durch Blogs an Qualität” meint Peter Stawowy. Malte widerspricht und bezweifelt, dass die Mehrzahl der Blogger einen journalistischen Anspruch haben und fordert von Peter ein konkretes Beispiel. “Don Alphonso” etwa ist Peters Meinung nach kein Journalist. Heftiger Widerspruch von Thomas Knüwer: allein durch seine Reportagen (z. B. zum Thema StudiVZ) habe Don Alphonso gezeigt, dass auch er journalistischen Anspruch und entsprechende Recherchearbeit erfülle.

17:47 Peter Stawowy beschreibt den Einfluss von YouTube, online verfassten Schülerartikeln und anderem user-generated content beim SPIESSER (bzw. dessen Online-Ableger). Das werde genau beobachtet und nach Eignungsbewertung auch aktiv genutzt.

Prof. Neuberger ist der Meinung, dass es trotz der neuen partizipativen Möglichkeiten Menschen geben muss, die Kontrolle z. B. in Foren zu wahren. Im Internet seien außerdem die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt, Inhalte sinnvoll miteinander zu verknüpfen, während in klassischen Medien häufig eine Fragmentierung der Inhalte zu beobachten sei (z. B. ein Print-Leitartikel, der schnell wieder in der Versenkung verschwindet).

17:55 Thomas Knüwer warnt vor dem Universaljournalisten, der mit Laptop, Digital- und Videokamera unterwegs ist und Recherchearbeit, Verfassen von Printartikeln, Weblogeinträgen und Videos gleichzeitig verantwortlich ist – das könne rein zeitlich nicht klappen.

“Blogs leben von ihrer Subjektivität” meint Knüwer weiter, daher ergeben gegengelesene Blogs von Tageszeitungen keinen Sinn. Wer zu seinen Weblog-Redakteuren kein Vertrauen habe, solle das Projekt Weblog besser lassen.

18:10 Thema Privatsphäre im Internet: Malte zitiert einen provokanten Artikel aus dem New York Magazine, in dem vermutet wurde, dass ein aktueller Generation Gap vorläge, dessen älterer Teil nicht mehr nachvollziehen könne, wie selbstverständlich heutige junge Internetnutzer mit dem Netz als Lebensbestandteil umgehen. Beziehungsende heute nicht mehr per SMS, sondern per Statusänderung (in a relationship/single) im nächstbesten Social Network?

Prof. Neuberger glaubt nicht, dass durch Social Software eine neue Form der Kontaktfindung entsteht. Eher hätten etwa die jüngste Studie des IfK zum Thema StudiVZ ergeben, dass eher keine neuen Kontakte durch diese Netzwerke entstehen, sondern fast nur alte, im Real Life generierte Kontakte gepflegt werden.

18:13 Frage aus dem Publikum an Thomas Knüwer: Wenn die Web 2.0-Szene in Deutschland so unterentwickelt sei wie vorhin erwähnt, “was müssen wir noch tun?”. Knüwer meint, das Problem sei: die klassischen Medien seien dem Internet nach wie vor abgeneigt. Das Internet sei der Feind der klassischen Medien (Gefahren würden in den Vordergrund gestellt). Die Politik (Minister Glos wird zitiert: “Ich habe zum Glück Leute, die für mich das Internet bedienen”) ziehe auch nicht mit.

Prof. Neuberger meint, die Kultur der Meinungsvielfalt werde in den angelsächsischen Ländern – speziell nach dem 11. September – viel stärker gepflegt und dortig angesiedelte Blogs seien seit diesem Datum auch stärker politisiert. In diesen und auch anderen Ländern würden durch lebendige Bloggerszenen u. a. Lücken gefüllt, die durch nicht vorhandene bzw. qualitativ minderwertige Medien offen blieben. Auch besteht seiner Meinung nach die Möglichkeit, dass die hohe Qualität klassischer Medien in Deutschland einen solchen Bedarf bereits deckt.

18:33 Weblogs seien nur eine Funktion, sozialen Austausch zu pflegen, meint Malte. Man müsse immer beobachten, welches Ziel ein Weblog verfolgt – ein privat geführtes öffentliches Tagebuch habe sicherlich nicht den Anspruch, professionellen Journalismus zu betreiben.

Ein Einwand aus dem Publikum bezweifelt, dass die große Masse der Internetnutzer Blogs und andere Web 2.0-Angebote so eindeutig als solche zu identifizieren in der Lage sind. Daher stellten sich die hier aufgeworfenen Fragen – Diskrepanz zwischen professionellem Journalismus und Laientum – für die meisten Menschen gar nicht.

18:49 Knüwer: Die Relevanzfrage stellt sich nicht. “Da hat jemand ein schönes Hobby, so lasst sie doch”, meint er. Warum werden Blogs überhaupt so angefeindet? Gegenthese aus dem Publikum: “Im Gegensatz zu Taubenzüchtern maßen Blogger sich an, die Medien zu kritisieren.” Blogger sind die Kunden der klassischen Medien, so Knüwer, und kritisieren sie öffentlich.

In bilateralen Diskussionen bei der Abendgestaltung werden die Diskussionen sicher fortgeführt. Vielen Dank und bis zum nächsten Vitamin Q – dem Tag zum Radio.

Vitamin Q live (1)

Geschrieben von am 13. October 2007 in Live, Vitamin Q | Im Moment 3 Kommentare.

Live gebloggt aus dem agora-Tagungshotel in Münster: Vitamin Q – der Tag zum Radio Q.

Autor: Dominik Osterholt

15:26 Jörg Wischinski, Vorsitzender des Freunde und Förderer von Radio Q e. V., eröffnet die Veranstaltung. Das Programm wird vorgestellt und der Sinn der Namensschilder (= Social-Networking-Komponente und Eintrittskarte zur After-Show-Party in einem) erörtert. Dazwischen gibt’s Diskussionen zu den Themen “Campusradio als Berufseinstieg” und “Verändert das Web 2.0 den Journalismus?”, anschließend findet die Mitgliederversammlung des Fördervereins statt, danach gibt’s ein Abendessen in der münsterschen Kneipe “Blechtrommel”.

15:33 Auf dem Podium sitzen Manuela Rüther (NDR), Stefan Fries (HR), Sebastian Pähler (Universität Münster) und Christian Willers (Kinon GmbH). Moderiert wird die Diskussionsrunde von Hendrik Buhrs (Radio Q und designierter HR-Volontär).

15:43
Wie haben die Diskutanten den Weg zum Campusradio gefunden? Manuela hat den “klassischen” Weg gewählt: Als Studentin der Kommunikationswissenschaft hat sie in einer Einführungsveranstaltung von Radio Q gehört. Stefan Fries war bereits vorher beim Bürgerfunk aktiv und ist durch dieses Engagement beim Campusfunk gelandet. Christian Willers, UNfunker der ersten Stunde (- das war der Vorgängersender von Radio Q) wollte auch mal Frauen beeindrucken und kam so zum Hochschulrundfunk. Sebastian Pähler hatte vorher schon journalistische Erfahrung beim Lippstädter Lokalpatriotismusblättchen gesammelt und baute diese später beim Aschendorff-Verlag als rasender Reporter aus. (Stichwort: Artikelw***ser.)

15:54 Manuela stellt durch ihre Erfahrungen im Volontariat und vorangegangenen Praktika fest, dass die flachen Hierarchien von Radio Q sonst kaum vorkommen. Titel von damals (z. B. Chefredaktion a. D.) zählen ihrer Meinung nach später weniger – wichtiger ist, was man aktuell täglich leistet.

16:02
Christian Willers hat bei Radio Q einst PR gemacht – die Erfahrungen aus diesem Bereich helfen ihm bei seinem PR-Job heute ebenso wie seine journalistischen Erfahrungen bei Q. “So kann man Journalisten auf ihrer Ebene besser begegnen”, meint er. Noch wichtiger findet Christian die Soft Skills, die er auch bei Radio Q gelernt hat. Dazu gehört auch, sich von Journalisten abends an der Bar nicht gleich unter den Tisch trinken zu lassen. Aha.

16:06 Von Sebastian Pähler lernen wir, dass auch und gerade die Schatzmeisterei bei Radio Q ein spannender Job ist. (Glauben tut ihm das keiner.) Bei seiner Bewerbung im Rektoratsbüro der Uni Münster war es seiner Meinung nach sein durchgehendes Engagement neben dem Studium (u. a. bei Radio Q), das wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde. In seinem neuen Job als persönlicher Referent der Rektorin darf er alles erledigen, was die Rektorin allein nicht erledigen kann oder will (wir dürfen an dieser Stelle vermuten: will). So ist er teils sogar als Ghostwriter tätig, denn die Rektorin schreibt entgegen der Erwartung aller nicht jeden Brief persönlich. Das macht aber nichts, wirft Hendrik ein, im Radio singen die Bands ja auch nicht immer live. Wie Recht er hat.

16:12 Bei Stefan Fries’ Bewerbung zu seinem Volontariat beim Hessischen Rundfunk fiel ihm auf, dass die potenziellen Arbeitgeber (hier: der öffentlich-rechtliche Rundfunk) nicht so sehr an Grundschulkarriere etc. interessiert sind, sondern eher an Studium und Engagement neben dem Studium. Von Vorteil waren die Vorkenntnisse, die Stefan bei Radio Q und bei Hörspielproduktionen beim WDR sammeln konnte, die ihm bei der Erstellung einer Probereportage für den HR sehr behilflich waren.

Beim Hessischen Rundfunk, berichtet Stefan weiter, absolviert der Volontär monatliche Stationen, bei denen man viele Kontakte vermittelt bekommt und aufbauen kann, die sehr wichtig sind. Auch die Spannbreite von verfügbaren Redaktionen und Ressorts, die man im Volontariat kennenlernt, sei groß und interessant.

16:22 Auch Manuela durfte bei ihrer Bewerbung eine Probereportage (aus dem Zoo) abliefern. Als sie damit eine Runde weitergekommen war, durfte sie vor einer nur 18-köpfigen Auswahlkommission Rede und Antwort stehen.

Heute ist sie sich sicher, dass die vielen Praktika, die sie während des Studiums geleistet hat, für ihr Volontariat zwar nicht unbedingt nötig gewesen wären – aber sie persönlich habe sehr davon profitiert. Beim NDR haben Manuela und ihre Mitvolontäre “von der Pieke auf” auch das technische Handwerk gelernt.

Stefan wirft ein, dass – zumindest beim HR – durchaus einiges an technischem und journalistischem Wissen vorausgesetzt wurde und er so auf jeden Fall von den Erfahrungen bei Radio Q direkt profitiert hat. “Ohne dieses Wissen hätte ich beim HR nicht mitmachen können”, meint er heute.

Zwar genösse man während des Volontariats so etwas wie vorläufigen “Welpenschutz”, aber sobald man – wie Stefan heute – für jeden einzelnen Beitrag bezahlt wird, sei die Kritik unter Umständen auch recht harsch. Die Feedback-Kultur beim öffentlich-rechtlichen Sender sei indes eine andere als beim Campusfunk: Der Druck komme durch den (selbst unter Druck stehnenden) Chef zustande, der diesen durch die Hierachien weitergebe. Im Gegensatz zu Radio Q werde aber meist sehr ehrliches und auch sehr harsches Feedback gegeben.

16:37 “Habt ihr zuviel gemacht bei Radio Q und hättet lieber mehr studieren sollen”? Nein, ist die einhellige Meinung. Das Studium sei wichtig, aber nicht das Wichtigste. Ein interessantes Ergebnis.

16:41 Frage aus dem Publikum: Ist der journalistische Weg aus finanzieller Sicht überhaupt (noch) empfehlenswert? Thomas Knüwer meint: Reich wird man sicher nicht. Wer reich werden will, soll PR machen. Ein Problem, sagt Christian Willers: Wer einmal PR gemacht hat, hat es sehr schwer, den Weg zurück in die journalistische Arbeit zu finden. Thomas Knüwer ist anderer Meinung, das sei sehr wohl möglich.

16:51 Frage aus dem Publikum an Stefan Fries: Wie sieht es aus mit der Jobsicherheit als freier Mitarbeiter beim HR und wie steht es um die Zahlungsmoral? – Im Gegensatz zum NDR (Rauswurf aller freien Mitarbeiter nach zehn Jahren) und zum WDR (begrenzte Monatsarbeitszeit) kann man beim HR als “Freier” jederzeit “unbegrenzt” je nach Auftragslage arbeiten. Die Zahlungsmoral sei gut: Was in Auftrag gegeben werde, werde auch bezahlt.

16:54 Kaffeepause – nachher gehts mit Podium 2 weiter.