Vitamin Q live (1)

Geschrieben von am 13. October 2007 in Live, Vitamin Q | Im Moment 3 Kommentare.

Live gebloggt aus dem agora-Tagungshotel in Münster: Vitamin Q – der Tag zum Radio Q.

Autor: Dominik Osterholt

15:26 Jörg Wischinski, Vorsitzender des Freunde und Förderer von Radio Q e. V., eröffnet die Veranstaltung. Das Programm wird vorgestellt und der Sinn der Namensschilder (= Social-Networking-Komponente und Eintrittskarte zur After-Show-Party in einem) erörtert. Dazwischen gibt’s Diskussionen zu den Themen “Campusradio als Berufseinstieg” und “Verändert das Web 2.0 den Journalismus?”, anschließend findet die Mitgliederversammlung des Fördervereins statt, danach gibt’s ein Abendessen in der münsterschen Kneipe “Blechtrommel”.

15:33 Auf dem Podium sitzen Manuela Rüther (NDR), Stefan Fries (HR), Sebastian Pähler (Universität Münster) und Christian Willers (Kinon GmbH). Moderiert wird die Diskussionsrunde von Hendrik Buhrs (Radio Q und designierter HR-Volontär).

15:43
Wie haben die Diskutanten den Weg zum Campusradio gefunden? Manuela hat den “klassischen” Weg gewählt: Als Studentin der Kommunikationswissenschaft hat sie in einer Einführungsveranstaltung von Radio Q gehört. Stefan Fries war bereits vorher beim Bürgerfunk aktiv und ist durch dieses Engagement beim Campusfunk gelandet. Christian Willers, UNfunker der ersten Stunde (- das war der Vorgängersender von Radio Q) wollte auch mal Frauen beeindrucken und kam so zum Hochschulrundfunk. Sebastian Pähler hatte vorher schon journalistische Erfahrung beim Lippstädter Lokalpatriotismusblättchen gesammelt und baute diese später beim Aschendorff-Verlag als rasender Reporter aus. (Stichwort: Artikelw***ser.)

15:54 Manuela stellt durch ihre Erfahrungen im Volontariat und vorangegangenen Praktika fest, dass die flachen Hierarchien von Radio Q sonst kaum vorkommen. Titel von damals (z. B. Chefredaktion a. D.) zählen ihrer Meinung nach später weniger – wichtiger ist, was man aktuell täglich leistet.

16:02
Christian Willers hat bei Radio Q einst PR gemacht – die Erfahrungen aus diesem Bereich helfen ihm bei seinem PR-Job heute ebenso wie seine journalistischen Erfahrungen bei Q. “So kann man Journalisten auf ihrer Ebene besser begegnen”, meint er. Noch wichtiger findet Christian die Soft Skills, die er auch bei Radio Q gelernt hat. Dazu gehört auch, sich von Journalisten abends an der Bar nicht gleich unter den Tisch trinken zu lassen. Aha.

16:06 Von Sebastian Pähler lernen wir, dass auch und gerade die Schatzmeisterei bei Radio Q ein spannender Job ist. (Glauben tut ihm das keiner.) Bei seiner Bewerbung im Rektoratsbüro der Uni Münster war es seiner Meinung nach sein durchgehendes Engagement neben dem Studium (u. a. bei Radio Q), das wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde. In seinem neuen Job als persönlicher Referent der Rektorin darf er alles erledigen, was die Rektorin allein nicht erledigen kann oder will (wir dürfen an dieser Stelle vermuten: will). So ist er teils sogar als Ghostwriter tätig, denn die Rektorin schreibt entgegen der Erwartung aller nicht jeden Brief persönlich. Das macht aber nichts, wirft Hendrik ein, im Radio singen die Bands ja auch nicht immer live. Wie Recht er hat.

16:12 Bei Stefan Fries’ Bewerbung zu seinem Volontariat beim Hessischen Rundfunk fiel ihm auf, dass die potenziellen Arbeitgeber (hier: der öffentlich-rechtliche Rundfunk) nicht so sehr an Grundschulkarriere etc. interessiert sind, sondern eher an Studium und Engagement neben dem Studium. Von Vorteil waren die Vorkenntnisse, die Stefan bei Radio Q und bei Hörspielproduktionen beim WDR sammeln konnte, die ihm bei der Erstellung einer Probereportage für den HR sehr behilflich waren.

Beim Hessischen Rundfunk, berichtet Stefan weiter, absolviert der Volontär monatliche Stationen, bei denen man viele Kontakte vermittelt bekommt und aufbauen kann, die sehr wichtig sind. Auch die Spannbreite von verfügbaren Redaktionen und Ressorts, die man im Volontariat kennenlernt, sei groß und interessant.

16:22 Auch Manuela durfte bei ihrer Bewerbung eine Probereportage (aus dem Zoo) abliefern. Als sie damit eine Runde weitergekommen war, durfte sie vor einer nur 18-köpfigen Auswahlkommission Rede und Antwort stehen.

Heute ist sie sich sicher, dass die vielen Praktika, die sie während des Studiums geleistet hat, für ihr Volontariat zwar nicht unbedingt nötig gewesen wären – aber sie persönlich habe sehr davon profitiert. Beim NDR haben Manuela und ihre Mitvolontäre “von der Pieke auf” auch das technische Handwerk gelernt.

Stefan wirft ein, dass – zumindest beim HR – durchaus einiges an technischem und journalistischem Wissen vorausgesetzt wurde und er so auf jeden Fall von den Erfahrungen bei Radio Q direkt profitiert hat. “Ohne dieses Wissen hätte ich beim HR nicht mitmachen können”, meint er heute.

Zwar genösse man während des Volontariats so etwas wie vorläufigen “Welpenschutz”, aber sobald man – wie Stefan heute – für jeden einzelnen Beitrag bezahlt wird, sei die Kritik unter Umständen auch recht harsch. Die Feedback-Kultur beim öffentlich-rechtlichen Sender sei indes eine andere als beim Campusfunk: Der Druck komme durch den (selbst unter Druck stehnenden) Chef zustande, der diesen durch die Hierachien weitergebe. Im Gegensatz zu Radio Q werde aber meist sehr ehrliches und auch sehr harsches Feedback gegeben.

16:37 “Habt ihr zuviel gemacht bei Radio Q und hättet lieber mehr studieren sollen”? Nein, ist die einhellige Meinung. Das Studium sei wichtig, aber nicht das Wichtigste. Ein interessantes Ergebnis.

16:41 Frage aus dem Publikum: Ist der journalistische Weg aus finanzieller Sicht überhaupt (noch) empfehlenswert? Thomas Knüwer meint: Reich wird man sicher nicht. Wer reich werden will, soll PR machen. Ein Problem, sagt Christian Willers: Wer einmal PR gemacht hat, hat es sehr schwer, den Weg zurück in die journalistische Arbeit zu finden. Thomas Knüwer ist anderer Meinung, das sei sehr wohl möglich.

16:51 Frage aus dem Publikum an Stefan Fries: Wie sieht es aus mit der Jobsicherheit als freier Mitarbeiter beim HR und wie steht es um die Zahlungsmoral? – Im Gegensatz zum NDR (Rauswurf aller freien Mitarbeiter nach zehn Jahren) und zum WDR (begrenzte Monatsarbeitszeit) kann man beim HR als “Freier” jederzeit “unbegrenzt” je nach Auftragslage arbeiten. Die Zahlungsmoral sei gut: Was in Auftrag gegeben werde, werde auch bezahlt.

16:54 Kaffeepause – nachher gehts mit Podium 2 weiter.

3 Comments zu Vitamin Q live (1)

Von daniel fienes podcast » Blog Archive » Heute mit Vitamin Q am 15. October 2007 um 20:45

[…] Q – der Tag zum Radio” geholfen und fleißig am vergangenen Samstag mitgebloggt (hier und da). Ich konnte leider nicht da sein und ihn deswegen gefragt: Wie war es denn am Samstag, […]

Von Vitamin Q: Nachlese » Listen Up! am 15. October 2007 um 22:47

[…] natürlich das Live-Blog von der Veranstaltung selbst. Hier und hier. Und natürlich flickr-Fotos, auch vom gemeinsamen […]

Von jepblog » Blog Archive » GASTBLOG: Ehrenamt? am 17. October 2007 um 17:50

[…] Die Passagen aus der Diskussion sind der Zusammenfassung des Vitamin Q Blogs […]

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