Spätwirkungen einer Radio-Q-Recherche

Geschrieben von am 9. May 2009 in Neues von Radio Q, Sonstiges | Kommentieren

Über 50 Jahre dauerte es, bis die Universität Münster damit begann, systematisch ihre Verstrickung in das NS-Regime zu untersuchen. Wie viele Studenten in die Parteistrukturen gezwängt wurden und Mitglied waren, ohne es zu wissen. Wie schnell sich die Professoren bemüht haben, dem Reichskanzler ihre Unterstützung zu versichern. Wie ihre jüdischen Kollegen in Konzentrationslagern landeten.

Radio Q hat diese Verstrickungen in einem ausführlichen Feature schon im Jahre 2001 beschrieben – bevor sich die Uni Münster an die Aufarbeitung machte. In “wissen/leben”, der Zeitung der Universität Münster, wurden jetzt neue Erkenntnisse aus diesen Recherchen veröffentlicht – im Zentrum dabei der Mathematik-Professor Heinrich Behnke, der den Nazis ablehnend gegenüberstand. Seinen Sohn Hans Behnke befragten wir schon ein paar Jahre zuvor für unser Feature. In der “wissen/leben” heißt es jetzt:

Die beherrschende Figur am Institut war Prof. Heinrich Behnke. Der Ordinarius verfügte (…) über außerordentliches Organisationstalent. Er war es, der die wenigen Studierenden – aufgrund des Krieges waren es mehr Frauen als Männer – für neue mathematische Ideen zu begeistern wusste. Noch bis in die 1940er Jahre versuchte er, den Kontakt mit ausländischen Kollegen zu halten, sei es nun, dass er zu Kongressen ins Ausland reiste, sei es, dass er ausländische Kollegen zu Gastvorträgen einlud. Nicht nur aufgrund seiner ersten, im Kindbett verstorbenen Frau, die Jüdin war, galt er den nationalsozialistischen Machthabern als unzuverlässig. Bereits 1934 wurde versucht, ihn aus dem Amt zu drängen.

Zur Zeit der Ausstrahlung des Features kam die Aufarbeitung schleppend voran, inzwischen ist man offenbar etwas weiter.

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