Live-Blog (7): Campus-Radios auf den Weg von der analogen in die digitale Welt

Geschrieben von am 10. November 2007 in Live | Im Moment 3 Kommentare.

Auf dem Podium:

Podium 4

  • Impulsreferat:
    Matthias Felling,
    Freier Journalist und Medienpädagoge, Köln
  • Daniel Eiber,
    wiss. MA Bereich Medienpolitik Landtag NRW
  • Veit Schwab,
    CvD, M94.5, München
  • Jörg Wischinski,
    Vorstand CampusRadios NRW e. V.
  • Moderation: Daniel Fiene, „Was mit Medien“
    Radio Q, Münster / Antenne Düsseldorf

15:45 Matthias berichtet in seinem Impulsreferat: Weiterhin gibt es über 300 Mio. UKW-Empfänger. Analoges Radio ist damit weiterhin die Nr. 1. Eine Kurzumfrage im Publikum zeigt: Viele haben schon mal von DAB, also digitalem Radioempfang, gehört – Nutzer gibt es aber nur sehr wenige.

Seit der letzten Wellenkonferenz RRC06 steht fest, DAB wird kommen. Aufgeteilt wird zum Beispiel Nordrhein-Westfalen in kleinstmögliche Teile, so genannte Layer. Davon wird es insgesamt 9 geben. Aber: UKW wird auch weiterhin laufen, ein schneller Bruch ist nicht zu erwarten. Grund dafür ist unter anderem, dass die Kosten für einen einzigen (!) DAB-Sender bei ca. 70.000 EUR im Jahr liegen.

15:52 “Wir haben schon genug Arbeit damit, unser Programm voll zu kriegen”, sei ein häufig anzutreffendes Zitat, so Matthias. Sind Campusradios also überhaupt – etwa rein zeitlich – in der Lage, sich mit den neuen Techniken auseinanderzusetzen?

Gemeinsame Lobbyarbeit kann die Lösung sein, meint Matthias: Warum nicht mit Fachhochschulen kooperieren, und gemeinsame Lösungen z. B. in Pilotprojekten entwickeln? Drei Zukunftsszenarien:

1) Die Campusradios bemühen sich um gemeinsam genutzte DAB-Regionen oder gar ein Rahmenprogramm für Campusradios;
2) eines Tages frei werdende UKW-Frequenzen könnten von den Campusradios übernommen werden und weitergenutzt werden;
3) “Digitale Litfassäule” – eine lediglich lokale Verbreitung von Beiträgen, sozusagen als Podcast “ohne Internet”: Matthias stellt sich eine Downloadmöglichket von Beiträgen z. B. in der Unihalle im Vorbeigehen vor, etwa per Wi-Fi oder Bluetooth. Klingt nach Zukunftsmusik, aber möglich ist vieles.

Matthias’ Vortrag endet mit Tocotronics “Digital ist besser”. So viel steht anscheinend fest.

Daniel Fiene, Daniel Eiber16:03 Welches sind die politischen Ansatzpunkte für die Durchsetzung der Interessen der Campusradios – und wie kann man evtl. gemeinsam mehr erreichen? – Jörg Wischinski, Vorsitzender der CampusRadios NRW e. V.: Bislang war das kein allzu großes Thema, allerdings gab es bereits einen gemeinsamen Besuch im Landtag NRW, um bei den verschiedenen Fraktionen “anzuklopfen” und die Interessen der Campusradios vorzustellen. Insgesamt der Eindruck: Campusradios sind bei den Politikern im Moment eher wenig “auf dem Schirm”, eher schien man sich für die anstehenden Veränderungen beim Bürgerfunk zu interessieren.

16:07 Inwieweit spielt Digitalisierung eine Rolle in der Arbeit eines Chefs vom Dienst eines bayerischen Campusradios? – Es spielt eine Rolle als allgemeines Bewusstsein, so Veit Schwab, jedoch noch nicht so sehr im Tagesgeschäft. Vor allem sei wichtig, technische Neuerungen mitzumachen, meint Veit, und meint vor allem das Internet mit den Möglichkeiten eines Webstreams und Podcasts, darüber hinaus auch so etwas wie ein Redaktionsblog. Es geht um eine Profilschärfung für Campusradios, über die nicht zuletzt auch neues Personal rekrutiert werden könne. Ein Problem wäre es, wenn man sein Radio nur über den Webstream empfangen könnte, meint er: besonders für das Personal wäre das ein Motivationsproblem.

16:12 Daniel Eiber: Auch wenn wir uns hier in fünf Jahren wiedersehen, werden wir alle noch UKW-Radio hören. “Wir sind im Moment noch an einem Punkt, an dem wir noch nicht wissen, wo die Reise hingeht.” – und das gelte letztlich auch für die Sendebetreiber. Seiner Meinung nach muss der Vorteil eines fehlenden Quotendrucks genutzt werden, auch neue digitale Techniken einfach auszuprobieren.

16:16 Frage an Jörg: Welches ist der Hauptgrund, warum die Campusradios zusammen auftreten sein sollten? – Ein einzelner Sender würde – im Falle eines Falles – in politischen Gremien sicher kaum einen Termin für ein Gespräch bekommen, die Wahrscheinlichkeit dafür ist bei einem Interessensverband viel größer. Darüber hinaus sieht er vor allem in den Bereichen Marketing und Ausbildung die größten Chancen einer für alle fruchtbaren Kooperation.

16:21 Daniel Fiene fragt nach Ideen für neue Formate, die man gemeinsam entwickeln und produzieren könnte. – Daniel Eiber nennt als Beispiel ein Comedyformat fürs Handy, das zurzeit von einem großen Privatradio entwickelt wird. Eine solche Produktion – natürlich immer abhängig von Mitarbeiter- und Finanzressourcen – wäre ein beispielhaftes Projekt, das zeigen könnte, welches Potenzial in einer gemeinschaftlichen Arbeit der Campusradios stecken könnte.

16:24 Veit meint, man solle die sich momentan entwickelnden partizipativen Formate des Internets (Stichwort “Web 2.0”) mehr zu Gunsten der Campusradios nutzen. Er sieht hier noch erhebliches Potenzial für den Kontakt mit dem Hörer.

16:33 Daniel bittet jeden Referenten nach konkreten Vorschlägen für eine gemeinsame Arbeit im Lichte der Digitalisierung. Tenor: Gemeinsame Arbeit ist gewollt, sobald sie notwendig wird. “Augen und Ohren offenhalten.” Das ist natürlich wenig konkret, wie die Diskutanten zugeben müssen.

Abschlussfrage: Wie hören wir in 10 Jahren Campusradio? Jörg meint dazu nur: Mit den Ohren. Wer hätte das gedacht.

NRW-Innovationsminister Pinkwart stellt sich im Anschluss den Fragen von Studierenden in “Nachgefragt”. Moderation: Kate Maleike, Deutschlandfunk.

3 Comments zu Live-Blog (7): Campus-Radios auf den Weg von der analogen in die digitale Welt

Von Peter am 10. November 2007 um 19:40

Eine gemeinsame Comedy für’s Handy? Wollt ihr euch wirklich dem Niveau von Lokal-Radio anbiedern? Das ist ja wohl ein schlechter Scherz. Da liegt auch sicher nicht die Zukunft des Mediums, selbst wenn die privaten damit vielleicht kurzfristige “Erfolge” haben… Finde sehr schade, dass die Diskussion so ohne Ergebnis geblieben ist.

Von Daniel am 11. November 2007 um 13:23

Peter, für Ergebnisse ist es einfach zu früh. Ziel war es nur zu zeigen, dass in den nächsten Jahren das Thema “Digitalradio” auch auf die Campusradios zukommt. Wie soll auch über mögliche Lösungen diskutiert werden, wenn es noch keinen offiziellen Weg in die digitale Radiozeit gibt. Zumindest haben die CR jetzt einen Impuls, sich mit dem Thema einmal zu beschäftigen.

Und zur Handy-Comedy: Ich glaube, das beibt eine Vision von Daniel Eiber :-)

Von Stefan am 12. November 2007 um 01:26

Das bleibt schon deswegen eine Vision, weil Campusradios leider in Sachen Comedy ein großes Defizit haben. Ist ja auch nicht so leicht, eine gute Comedy zu produzieren.

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